Barkeeper aus Leidenschaft

Mix dir dein Leben, wie es dir gefällt.

Hinterm Tresen stehen, bunte Cocktails shaken und dabei noch richtig cool aussehen – es gibt wohl kaum jemanden, der nicht schon mal Barkeeper sein wollte. Fabian Böhler hat diesen Traum in die Realität umgesetzt und das Wirtschaftsstudium erfolgreich gegen die Bar eingetauscht.  Mittlerweile ist der 27-jährige Barchef in der Stage Bar im Stage12 Hotel in Innsbruck und geht in seiner Leidenschaft voll auf. Wie es dazu gekommen ist und was dem gebürtigen Vorarlberger dabei am meisten Spaß macht, hat er uns im Interview verraten.

Vom Wirtschaftsstudium zur Gastronomie – ein ungewöhnlicher Werdegang. Wie kam es dazu?

Nach meinem Abschluss am Bundesrealgymnasium in Dornbirn bin ich nach Innsbruck gezogen, um dort Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Zu dem Zeitpunkt war ein Job in der Gastro noch kein Thema für mich. Irgendwann habe ich aber angefangen, neben dem Studium in verschiedenen Bars und Lokalen auszuhelfen. Dadurch entwickelte ich mit der Zeit immer mehr Interesse für die Gastronomie, für die Küche und insbesondere für Weine. Da habe ich gemerkt, dass mir die Gastro mehr Spaß macht und Freude bereitet als das Studium. 2017 habe ich es deswegen abgebrochen und eine Ausbildung am Tourismuskolleg Innsbruck gestartet, die ich auch erfolgreich abgeschlossen habe.

Wie haben deine Eltern auf die Tourismus-Ausbildung reagiert, was haben deine Freunde dazu gesagt? 

Meine Eltern fanden es gut und stehen bis heute voll hinter mir und meiner Entscheidung. Sie haben selbst mitbekommen, dass mir der Job an der Bar viel mehr Spaß macht als das Studium. Auch meine restlichen Verwandten konnten meine Entscheidung für die Ausbildung am Tourismuskolleg verstehen. Meine Freunde und mein ehemaliger Chef haben mich außerdem sehr auf meinem neuen Lebensweg unterstützt.

Seit wann bist du nun Barkeeper bzw. Barchef?  

Im Juni 2018 habe ich im Zuge meiner Gastro-Ausbildung ein Praktikum in der Stage Bar gemacht. Dort hat man mein Potenzial schnell erkannt und mich danach fest eingestellt. Seit März 2020 bin ich nun Barchef – das ist schon etwas ungewöhnlich für einen Barkeeper, so schnell die „Karriereleiter“ hochzuklettern. Aber es ist genau das, wofür ich brenne und das merken andere auch. So habe ich heuer beispielsweise bei der Vorausscheidung in Österreich für die Qualifikation der inoffiziellen Barkeeperweltmeisterschaft mitgemacht und schaffte es dort auf Anhieb ins Halbfinale. Das Ergebnis bzw. das Finale steht noch aus, da die WM Corona-bedingt pausieren musste. Es bleibt also spannend.

Was gefällt dir besonders daran, Barkeeper bzw. Barchef zu sein? Was ist deine größte Motivation?     

Ich bin gerne Gastgeber und probiere meinen Gästen auch immer ein Erlebnis zu bieten. Gleichzeitig möchte ich sie dazu motivieren, Neues auszuprobieren. Ich liebe es, kreativ zu sein und meinen Ideen freien Lauf zu lassen. Es gibt unzählige Möglichkeiten die verschiedensten Dinge miteinander zu kombinieren. Das Spielen mit verschiedenen Aromen, Geschmacksnuancen und Texturen gehört daher auch zu meinen größten Leidenschaften als Barkeeper. Letzten Endes will ich als Barchef meinen Gästen einen unvergesslichen Abend bieten, unabhängig davon, was sie gerne trinken möchten oder warum sie bei mir sind. Und die Leidenschaft und Mühe, die in meinen Drinks und Cocktails steckt, schmeckt auch der Gast.

Apropos Drinks und Cocktails – was ist das Besondere an deinen Kreationen?      

Ich bin ein großer Fan von Klassikern, die über die Jahre hinweg vielleicht etwas in Vergessenheit geraten sind. Die nehme ich mir gerne zum Vorbild und hauche ihnen neues Leben ein. Das ist schon eine Herausforderung, daher ist es als Barkeeper auch sehr wichtig, ein feines Gespür für Aromen zu haben und kreativ zu sein. Wichtig ist mir außerdem, dass meine Kreationen auch meine Handschrift tragen. Ich spiele gerne mit ungewöhnlichen Zutaten und mache vieles selbst. So kann es schon mal sein, dass selbstgemachter Pfirsichhonig, Sesamwodka oder Sojasoße meinen Drinks und Cocktails den letzten Feinschliff verleihen – natürlich in Maßen und im richtigen Verhältnis.

Was würdest du anderen empfehlen, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen in der Gastronomie zu arbeiten bzw. die Barkeeper werden möchten?

Man sollte sich wirklich jeden Bereich der Gastronomie genau ansehen. So merkt man schnell, wo man sich verwirklichen möchte und was einem am meisten Spaß macht. Das Barkeeping ist für mich persönlich einer der spannendsten und schönsten Berufe der Welt. Man hat so viele Chancen und Möglichkeiten – sei es in der eigenen Entfaltung oder eben auch am internationalen Arbeitsmarkt. Ich kann es also nur wärmstens empfehlen.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Wenn du ein Cocktail wärst – welcher wäre das und warum?

Schwierige Frage, aber ich denke ich wäre der Sazarec – einer meiner Lieblingscocktails. Das ist ein Klassiker von 1908 aus New Orleans. Er besticht mit seiner Einfachheit was die Rezeptur betrifft. Es sind lediglich drei Zutaten – Rye Whiskey, Peychaud’s Bitters und Zucker. Beim Rühren kommt noch Schmelzwasser dazu, bevor er dann im Absinth-parfümierten Glas serviert wird. So entsteht ein komplexer Drink, der einem echte Freude am Gaumen bereitet. Ein echtes Highlight – sowohl für mich als Barkeeper als auch für den Gast.

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